Grüne aus Nordsachsen besichtigen energieautarkes Dorf

03.06.2013

Nordsachsens Grüne auf Exkursion im Energie-Musterdorf

„Für Visionen braucht es Macher“, das war einer der Sätze, die eine Gruppe der Bündnis-Grünen im Kreisverband Nordsachsen, vom BUND und weiteren Gästen am Wochenende zu hören bekamen. Während die deutsche Energiewende gerade zerredet und zwischen Interessenkonflikten zerrieben wird, waren im brandenburgischen Feldheim Macher am Werk, die bereits vor drei Jahren die lokale Energiewende umgesetzt haben. Das Dörfchen Feldheim, kommunalpolitisch inzwischen ein Stadtteil von Treuenbrietzen, ist „energieautark“. Und den Bewohnern geht es gut damit.
Eine der wesentlichen Visionen von grüner Energiepolitik ist in Feldheim umgesetzt. Die Stromversorgung geschieht zu 100% aus erneuerbaren Energien, einem Mix aus Windkraft und der Biogasanlage. Gleichzeitig erfolgt die Wärmeversorgung über ein örtliches Nahwärmenetz, welches v.a. die Abwärme der Biogasanlage nutzt. Alle Bürger sind angeschlossen. Da der überregionale Stromnetzbetreiber für den selbsterzeugten Strom unangemessene Durchleitungsgebühren kassieren wollte, haben die Feldmeier kurzentschlossen neben den Wärmeleitungen ein eigenes Stromnetz mit in die Schächte verlegt. Die Preise bestimmen die Bürger im Wesentlichen selbst, denn sie sind alle beteiligt an der Feldheim Energie-Gesellschaft. Praktisch bedeutet das 16,6ct für die kWh Strom und 7,5ct/kwh Wärme. Wenn nach zehn Jahren die Kredite für die Anlagen abbezahlt sind, wären sogar Senkungen denkbar. Oder Rücklagen für Modernisierungen und größere Reparaturen. Versorgungssicherheit war von Anfang an ein wichtiges Thema, da darin die größten Sorgen der Bewohner lagen. Die Wärmeversorgung ist doppelt abgesichert, sollte die Biogasanlage ausfallen oder eine lange und harte Kälteperiode eintreten, springt eine Holzhackschnitzel- Heizung zur Überbrückung ein. Theoretisch wäre auch die Notheizung mit überschüssigem Windstrom aus verbrauchsschwachen Zeiten möglich, zumal in den ersten drei Jahren die Zusatzheizung fast nie gelaufen ist. Da neben dem Bedarf der Haushalte immer noch Wärme übrig war, hat sich eine Metallbaufirma als weiterer Abnehmer angesiedelt. Die Agrargenossenschaft, die gleichzeitig Betreiber der Biogasanlage ist, profitiert ebenso von der Abwärme – im Stall mit 400 Muttersauen nebst Ferkeln gibt es eine Fußbodenheizung. So sind im Dorf Arbeitsplätze gesichert worden und weitere entstanden. Ein Bestandteil fehlt allerdings auch in Feldheim noch: ein Strom-Speicher. Seit mehreren Jahren und mit verschiedenen Firmen versuchen die Feldheimer, als
Modellprojekt einen Riesenakku aufzustellen, der für rund 2 Tage den Bedarf abpuffern kann. Leider bisher ohne Erfolg – auch im Muster- Energiedorf ist diese Problematik noch ungelöst. Ein Besuch im und am Turm eines 2-MW-Windrads überzeugte von der geringen Geräuschbelastung der modernen Anlage. Nicht bestritten wurde, daß es Fälle von Vogelschlag geben kann. Diesen so gering wie möglich zu halten, kann nur durch gute Planung und Auswahl des Standortes erreicht werden. Sicher ist dieses Modell nicht 1:1 auf nordsächsische Kommunen zu übertragen, doch es zeigt Möglichkeiten und Spielräume, die von kreativen Bürgern erschlossen werden können.
Für die Grünen, darunter mehrere Kommunalpolitiker und der Direktkandidat für den Bundestag, Bernd Brandtner, war dieser Besuch eine wichtige Erfahrung und positives Beispiel zur praktischen Umsetzung der Energiewende im Bürgerinteresse.

 

Pressebeitrag der Grünen zum Download

 

OAZBericht01062013

 

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